18. Jan. Der verhängnisvolle Tag
Später Aufbruch vom Ugab Rivercamp, Harry& Heico waren schon voraus.
Durch das Desolation Valley ging es nordwärts weiter Richtung Twyfelfontain. Die Piste wurde etwas schwieriger, machte aber unheimlich viel Spaß. Einige Treppenauffahrten, die Landschaft um uns bedrückend, ein Gerölltrümmertal. Man musste besonders an die am Wegrand stehenden Akazien- und Euphorengewächse achten um sich nicht die Jacke an deren großen Dornen aufzuschlitzen.
Nachdem das Tal überwunden war wurde die Landschaft wieder breiter und im Norden konnte man bereits die Berge vor Twyfelfontain sehen.
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Plötzlich kamen wir an eine Kreuzung wo Wege nach Westen (die waren falsch, das wußten wir) und einer nach Osten abbog. Dieser östl. machte einen Bogen zurück, so dachten wir der sei auch falsch. Am Navy war kürzeste Strecke eingestellt, und die zeigte auf den Weg geradeaus. Mehrere Spuren verliefen auch auf dieser Piste, also nichts wie nach. Manchmal ging es steil bergan, war aber gut zu befahren. Im oberen Teil wurde es dann immer sandiger. Erst waren es nur kurze Strecken, dann aber immer längere. Als ich aus einer tieferen Rinne in die Mitte der Fahrspur wollte, brach die Twin hinten aus und ich legte mich auf die linke Seite. Soweit kein Problem dachte ich mir. Alex half mir das Motorrad wieder aufzurichten. Jetzt wieder in den Sattel und weiter. Als ich meinen rechten Fuß über die Twin schwingen wollte spürte ich einen fürchterlichen Stich und ließ sie gleich wieder fallen. Ich hatte mir eine verdammte Zerrung zugezogen. Shit, und das auf dieser Strecke. Da die Mittagshitze unheimlich drückte beschlossen wir ein Segel (Unterlegplane vom Zelt) vom Motorrad herunter zu spannen, wo wir die Mittagshitze besser überdauern könnten. Am Nachmittag kam etwas Wind auf der die Hitze linderte. Die Wasservorräte, die leider zu knapp bemessen waren gingen aber langsam zu Ende. Wir hatten vom Ugab nur das nötigste an Wasser mitgenommen, da dieses Brackwasser, das aus einem Bohrloch stammt, durch seine intensive Mineralienanreiocherung einen sehr unangenehmen Geschmack hatte. Ein schwerer Fehler, wie sich jetzt herausstellte. Schlecht schmeckendes Wasser ist besser als gar keines. So alarmierte Alex mit dem Sat-Telefon Bernd, den Manager der Twyfelfontain-Lodge über unsere missliche Lage. Er gab die Koordinaten unseres Standpunktes ebenfalls durch, nur ..... die konnten mit unseren Koordinaten nicht viel anfangen. In der Lodge gibt es nur eine große Wandkarte, wo Längen- und Breitengrade nur sehr dürftig aufgezeichnet sind. Mit dem Lineal versuchten sie unseren Standpunkt zu ermitteln, schickten zwei Jeeps los, aber wegen der ungenauen Auswertung blieb die Suche erfolglos. Wir entschieden uns daher am späten Nachmittag weiterzufahren.
Heading to Huab River war die Devise, da der Retourweg wesentlich weiter war. Da der Fahrweg aber immer sandiger wurde und teilweise in einem Bachbett verlief kamen wir aber nicht mehr sehr weit. So entschlossen wir uns das Zelt aufzustellen und richteten uns auf eine Übernachtung in der Wildnis ein. Schweizer Kracher wurden vorsorglich ins Zelt mitgenommen um uns vor etwaigen aufdringlichen Wildtieren verteidigen zu können. Auch suchten wir gleich das Zeltinnere auf um nicht zuviele Gerüche zu verströmen.
Von Bernd kam dann die Nachricht, dass uns ein Microlight-Flugzeug am nächsten Morgen Wasser abwerfen würde. Eine sehr gute Nachricht, da wir zu diesem Zeitpunkt bereits ohne Wasser waren.
Als wir gerade am einpennen waren, inzwischen war es finster geworden, hörten wir pochende Geräusche am Zelt. Hurra es regnet, selten freut man sich so über etwas Naß. Doch es währte nur kurz und begann nicht vom Zelt zu tropfen, da das begehrliche Wasser sofort verdunstete. Kurzerhand formten wir die Zeltunterlagsplane zu einem Becken und legten sie an den Rand der Zeltplane damit wir Wasser auffangen konnten, falls es wieder zu regnen beginnen sollte. Wir hofften sehr stark darauf, und drückten dann kein Auge mehr zu. Und wirklich, gegen Mitternacht gab es einen kurzen Guß und ein paar kleine Lacken entstanden auf der Plane. Mit einem Strohhalm schlürften wir diese aus. Manchmal waren sie vom Sand schmutzig, aber egal, so gut hat mir noch nie Wasser geschmeckt, und in diesem Moment erschien es uns köstlich kalt. Leider war die Menge nur sehr gering, so ca. maximal ein Viertel Liter pro Person.
Am nächsten Morgen warteten wir auf das ersehnte Flugzeug, doch nichts rührte sich. Alex wurde nervös und wollte zu Fuß zum Huab weiter. Da es immer heißer wurde musste eine Entscheidung getroffen werden. So trafen wir gemeinsam die Entscheidung, alles nicht notwendige Gepäck von den Motorrädern abzuladen, im Zelt zu deponieren, und mit den erleichterten Motorrädern weiter zu fahren. Ich schickte Alex voraus, da er schneller fahren konnte als ich mit dem angeschwollenen Knie.
Überall tiefer Sand, ich kam nur langsam voran und mußte öfters eine Pause einlegen. Als ich einmal anhielt hörte ich die Motorgeräusche des Flugzeugs. Nur sehen konnte ich es nicht, da ich bereits einen Bergrücken von unserem Übernachtungslager weiter war. So ein Sch... , das Flugzeug war wirklich gekommen und wir waren nicht da. Zurück wollte ich nicht mehr, da der Huab auf dem Navi immer näher rückte. So fuhr ich ein Stück weiter der Spur von Alex BMW nach. Plötzlich kam mir dieser entgegen fuchtelte wild mit den Armen und rief, er hätte von Bernd einen Anruf erhalten, dass das Microlight unsere Position erreicht hätte. Ich erzählte ihm, dass ich die Motorgeräusche zwar gehört, aber das Flugzeug nicht gesehen hätte.
In diesem Moment wurde es wieder laut und wir hörten, dass das Flugzeug wieder abhob. Und da...., als kleiner Punkt erschien es über dem Bergrücken. Wir fuchtelten wie verrückt, und wirklich, es kam näher. Schon konnten wir das orangene Segel erkennen, und dann der Pilot winkte herunter, er hatte uns gesehen, die Freude war riesengroß.
Hoppelnd landete das Microlight auf der sandigen Spur.
Wir fielen uns in die Arme, die Rettung war da. Wir begrüßten Nico, den Piloten, ausschwänglich. Er grinste nur und fragte verschmitzt ob wir denn Wasser wollten. Yes naturally, war die sofortige Antwort. Please smile, sagte Nico, und kramte aus einer Tasche zwei Flaschen hervor. Kaffee zur Kreislaufankurbelung gab es dann auch noch. Wir genossen das Wasser und versuchten es nicht zu hastig zu trinken. Eine Flasche und Orangen gab er uns noch mit auf den Weg, mehr hatte er auch nicht im Gepäck. Wir vereinbarten uns zu melden wenn wir den Huab erreicht hätten.
So ging es mit neuen Kräften weiter. Das Tal wurde breiter und wir fuhren nicht mehr in der Sandspur, sondern querfeldein, nicht ohne die Sandspur aus den Augen zu lassen. Die Hitze wurde immer drückender, aber in der Ferne spiegelten sich schon die hohen Akazien, die im Flussbett des Huab stehen. Die letzten Kräfte wurden mobilisiert und gegen Mittag erreichten wir das Flussbett. Frische Spuren im Sand verrieten, dass hier öfter Safarifarzeuge vorbeikamen. Der Sand im Flussbett war im Schatten der Akazien angenehm kühl, und so breiteten wir erneut die Plane aus und legten uns darauf und warteten in der Hoffnung, dass ein Fahrzeug uns hier finden würde.
Eine gute Stunde später sahen wir einen weissen Landcruiser in das Trockenflussbett einfahren. Mit winken und hupen machten wir auf uns aufmerksam. Es war eine kleine Adventure-Reisegruppe aus Swakopmund. Andrew der Tourguide, ein schwarzer Helfer, ich glaube sein Name war Joseph, und zwei Touris aus der Schweiz. Im Gepäck hatten sie auch einen zwanzig Liter Kanister mit Ugab-Wasser. Wie köstlich dieses jetzt die Kehle hinunterrann, vor über einem Tag hatten wir dieses noch verschmäht. Manchmal können sich Dinge grundsätzlich ändern.
Sie bauten für die Schweizer noch ein kleines Mittagscamp auf und wir fuhren mit Joseph zurück um unser Gepäck und Zelt zu holen. Auch mit dem 4WD war die Sandspur teilweise nur mit eingeschalteter Differentialsperre zu meistern. Wir hatten uns da ganz schön verfranzt. Am Abend fuhren wir noch mit ihnen ein Stück das Flussbett entlang und suchten dann neben diesem einen Platz zum Schlafen auf. Wir lagerten neben ihrem Camp und Andrew gab uns noch etwas von ihrem Abendmahl ab. Der Salat schmeckte unheimlich köstlich, sogar die Marinade habe ich ausgetrunken.
Neben dem Zelt stand der noch gut halbvolle Kanister mit Ugab-Wasser. Sorglos konnten wir die Nachtruhe antreten.
WE WERE SAVED !
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Sidney Denham