Den Gegensatz zu Batumi findet man am nördlichen Ende von Georgiens Schwarzmeerküste, in Anaklia.
Dort wurde an der Grenze zu Abchasien (abtrünnige Provinz) mit viel Geld eine Touristadt aus dem Boden gestampft.
Nur in das tote Eck kommen keine Touristen, die Grenze zu Abchasien ist geschlossen, von dort kann keiner einreisen.
Das Resultat:
Es gibt dort zwar die längste Fussgängerbrücke Europas über die Mündung des Enguri Flusses, Boulevards mit Palmen und Kreisverkehre, die schon zugewachsen sind, riesige Hotels und Casinos, die niemals eröffnet wurden.
Nur ein Hotel am Strand ist in Betrieb, einige wenige Badegäste teilen sich die dreißig Schirme.
Tote Hose nix los, und viel Geld in den Sand am Meer gesetzt.
Diese Werbeschrift ist einfach optimistisch
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Sonst nur tote Hose, selbst am Hauptplatz
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Casino mit klingendem Namen, das wahrscheinlich nie eröffnet hat
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Wir sind dann die Piste südlich Anaklias, der Küste am Strand und den Dünen entlang gefahren.
Bis wir einen Platz für unsere Zelte fanden.
Soweit alles gut. Noch ein Bad im Meer, das um diese Jahreszeit fast schon zu gut temperiert ist, und nach etwas Plaudern ab ins Zelt in die Heija. Das Rauschen der Brandung wiegte uns bald in tiefen Schlaf.
Irgendwann wachte ich auf. Träume ich noch, oder was ist da. Rot und blau blinkt mein Zelt. Bin ich besoffen in einer Disco erwacht? Doch zwei tiefe Sirenentöne geben mir die Gewissheit in meinem Zelt und der Realität zu sein.
Also raus aus dem Polyesterverschlag, und da stand schon ein Toyota Pick Up der Polizei vor meinem kleinen Anwesen.
Nico und Bodo kamen ebenfalls bereits angekrabbelt.
Was will der Störenfried? Er konnte kein Deutsch und nur ganz wenig Englisch. Irgendwie teilte er uns mit, dass es hier gefährlich sei zu campen, und zeigte uns auf seinem Smart Phone ein Bild von einem Wolf. Naja, Wölfe im Sumpfgebiet an der Küste, ... vielleicht meinte er eher verwilderte Hunde.
Sodann mussten wir seine Handynummer speichern, und anrufen bis es bei seinem Handy klingelte.
Dann gab er uns das Codewort, Biker. Wenn wir in Schwierigkeiten sind, sollten wir seine Nummer wählen und nur Biker sagen. Er wäre dann gleich zur Stelle uns zu helfen. Er verabschiedete sich noch freundlich von uns, und fuhr von dannen. Danke, danke fürs Aufwecken dachte ich mir, rollte mich wieder in meinen Schlafsack und hatte einen geruhsamen Schlaf bis zum Morgen.
Fast zuviel der Fürsorge.
Der nächste Tag war richtig heiß und schwül. Wir flüchteten bei Martvili in einen Canyon, wo ein kalter Bergbach durch die Felsen gluckerte.
Hinter einem Felsen war sogar eine sandige, tiefe Stelle, wo man ein paar Schwimmzüge machen konnte. Die Kälte des Wassers erinnerte mich an die Schwarza im Höllental, normal geh ich dort gar nicht rein, aber irgendwie brauchte ich Abkühlung, und so überwand ich mich zu einem kühlen Bad.
Am Abend suchten wir nach einem Lokal mit Essbarem. Wir sind etwa 30km gefahren, und kamen in eine kleine Stadt, deren Name mir zwar entfallen ist, aber die ich vom ersten Tag unserer Tour kannte.
Wir fanden eine Schenke mit Küche, in der Russische Kochkunst gepflegt wurde. Typisch alles mit Suppe, sogar die Fleischklöße oder auf österreichisch so eine Art Laberl. War recht scharf, hat aber gut gemundet.
Danach stellten wir unsere Zelte nahe der Stadt am Fluss auf. Noch ein Liegebad zur Abkühlung, der Fluss hatte keine tiefe Stelle. Als wir wieder bei den Zelten waren kam so ein Typ daher, und fragte irgendwas. Ich sah, dass er eher auf Meckern aus war, und teilte ihm nur mit
ne paruski (ich spreche kein russisch) und ließ ihn auf wienerisch gesagt angelahnt.
Nach zirka 15 Minuten waren plötzlich zwei Polizeiwagen da. Die Polizisten wussten nicht so recht, was sie mit uns machen sollten. Wir hatten ja keinen Zaun niedergetreten, und sonst war der Platz auch frei, man sah nur, dass ihn Vieh beweidet hatte. Einer der Officer, der gebrochen Englisch sprach, konversierte dann mit uns. Wieder die Begründung, hier ist es zu gefährlich zu zelten, und wir sollten abbauen und mit ihm mitkommen.
Also den ganzen Kram wieder aufs Motorrad, und dem Kiewerer hinterher. Als er am Stadtpark hielt, kamen mir so Gedanken, dass die es wie im Iran machen, wo Wildzelter in die nächste Stadt gebracht werden, und dann im Park ihr Zelt unter voller Anteilnahme der Bevölkerung aufbauen können.
Aber er ging nur in ein Geschäft um etwas zu besorgen. Weiter ging die wilde Fahrt hinter dem Police Car her.
Teilweise gab er mächtig Gas, auch im Ortsgebiet. So fuhren wir bis zum Stadtrand, dann bog er rechts ab und schoß eine steile Strasse einen Hügel hoch. Ganz oben befand sich eine Polizeistation, die in einem schönen, gepflegten Park lag. Vor dem Gebäude wehten fast vereint die Georgische und die EU-Flagge.
Er wies uns einen Platz unter Bäumen zu. Hier könnten wir zelten, und dann zeigte er uns noch wo es Wasser zum Waschen gab. Die Toilette im Office durften wir auch benutzen.
Naja, mit diesem Luxus hatten wir nicht gerechnet. Ein Danke an die georgische Polizei.
